Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung, die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe: 20/2009
Datum: 13.05.2009

 

Wichtiges Ziel: Junge Menschen für Europa begeistern

Vor 15 Jahren haben Bürgermeister Richard Hofmann (†) und Kenilworths Mayor Jack Bastock die Erklärungen zur Städtepartnerschaft zwischen Eppstein und Kenilworth unterzeichnet. Das Zusammenwachsen Europas auf lokaler Ebene wurde jetzt gemeinsam mit 76 Gästen aus den Partnerstädten Langeais, Schwarza und Kenilworths Partner Bourg-la-Reine im Rahmen der Europawoche gefeiert. Beim festlichen Buffet am Samstag im Bürgersaal freute sich Franz Fluch, Vorsitzender des Vereins Europart, besonders, dass die Veranstaltung genau am Europatag stattfand.

Erster Stadtrat Peter Reus sagte, die Beziehungen zwischen den Vereinen der Partnerstädte seien heute fester Bestandteil des Lebens in Eppstein und Kenilworth. „Es wird unsere Aufgabe sein, junge Mitbürger für die Partnerschaftsidee zu gewinnen.“ Für sie sei es längst selbstverständlich, in Europa Grenzen ohne Passkontrolle und Zollschranken zu überschreiten. „Das Verständnis untereinander bleibt dabei oft genau so auf der Strecke wie das für Entscheidungen in Brüssel. Dabei geben sie Sicherheit und Orientierung“, so Reus.
Um die Jugend bei der Gestaltung eines vereinten Europas „mit ins Boot zu holen“ hatte Europart einen Jugendmalwettbewerb zum Thema „Europa in Farbe“ ausgeschrieben. „Nach einer Vorauswahl in den einzelnen Ländern werden heute zwölf von 35 Einsendungen prämiert“, sagte Dagmar Hirtz-Weiser, Vorsitzende des Vereins Junge Künstler. Aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Techniken haben die Preisträger Motive aus europäischen Städten und Ländern auf dem Papier vereint.
Den ersten Preis, je eine Reisetasche mit Mal-Utensilien, teilen sich Egija Dice (12 Jahre) aus Aizkraukle und die Eppsteinerin Sarah Homer (14), die aus England stammt. „Ich habe meine Lieblingsmotive mit meinen Lieblingsfarben gemalt“, erklärte sie knapp. Künstlerisch anspruchsvoll hatte sie das Brandenburger Tor, den Eiffelturm, das Kolosseum, Big Ben und den Parthenon der Athener Akropolis miteinander verwoben. Egija Dice wählte die Perspektive der Begegnung durch zwei Gesichter im Profil, die auf ihren Häuptern wie Blütenkränze die Sehenswürdigkeiten und damit die Geschichte mit sich tragen.
Unter den weiteren acht Preisträgern sind ebenfalls Eppsteiner. So haben sich auch Hanna Ossenbrink (12) und Sophia Falk (13) für die Darstellung von Sehenswürdigkeiten entschieden. Zoe Mahlau (13) entlehnte ihr Motiv der Mythologie und malte einen Stier, in dessen Gestalt Zeus seine Geliebte Europa entführte. Ein im europäischen Sternenmeer schwebender Mensch trägt bei Monika Weiser (15) die Flaggen der europäischen Nationen auf seinem Körper, weil jeder ein Stück des anderen mit sich trage.
Auch zwei Sonderpreise vergab die Jury, da die Künstler zu jung für die Teilnahme am regulären Wettbewerb sind: Die Bilder von Louise Borne (4) aus Langeais beeindrucken durch ihren Farbenreichtum. Nicole Wagner (6) aus Eppstein erklärte dem Publikum im Bürgersaal selbst, was sie mit Bleistift gezeichnet hatte: „Vor dem Brandenburger Tor steht ein Mädchen mit Luftballons. Eine andere möchte einen davon haben.“ Beim Himmel über Berlin hatte ihr Lehrerin Stella Costa ein wenig geholfen: Auf eine blau gefärbte Seite der Eppsteiner Zeitung tupften sie die Wolken mit weißen und blauen Farbkleksen.
Etwas verspätet begann die für 15 Uhr angekündigte Podiumsdiskussion „Europa vor der Wahl“ mit den hessischen Mitgliedern des Europaparlaments Thomas Mann (CDU), Dr. Wolf Klinz (FDP) und der SPD-Kandidatin Ulrike Foraci. Am 7. Juni ist Europawahl. Schätzungen meinen, dass nur ein Drittel der Wahlberechtigten zur Wahlurne gehen. In Eppstein könnte die Wahlbeteiligung etwas höher ausfallen, weil gleichzeitig die Bürgermeisterwahl stattfindet. Moderator Alois Theisen, Chefredakteur des hr-Fernsehens, befragte in Anbetracht des geringen Interesses an Europa die Kandidaten nach ihrer Motivation.
Ulrike Foraci (SPD) erklärte: „Ich kandidiere, weil das Europäische das meist unterschätzte Parlament ist. 70 bis 80 Prozent der deutschen Gesetze werden auf Grund von Vorgaben von Brüssel überhaupt erst umgesetzt. Diesen Prozess möchte ich aktiv mitgestalten.“
Um Freiheit, Frieden und Wohlergehen der Bürger Europas zu sichern, engagiert sich Wolf Klinz (FDP). Das Zusammenleben verschiedener Nationen müsse gepflegt werden. „Europa geht alle an, als Chance wie als Verpflichtung.“
Thomas Mann machte in der Diskussion seinem Ärger über die Berichterstattung Luft: „Es ist einfach wahrheitswidrig, dass Europa weit weg ist. Den Journalisten sind die Verhandlungen des Parlaments schlicht zu friedlich.“ Ohne politischen Klamauk wollten die Medien nicht berichten. cwe



Sarah Homer und ihr preisgekröntes Bild „Europa in Farbe“. Foto: Palmert-Adorff

 

 

Aktualisierung: 10.02.2010
© Europart Eppstein e. v.

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