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Vor 15 Jahren haben Bürgermeister Richard Hofmann (†) und Kenilworths
Mayor Jack Bastock die Erklärungen zur Städtepartnerschaft zwischen
Eppstein und Kenilworth unterzeichnet. Das Zusammenwachsen Europas auf
lokaler Ebene wurde jetzt gemeinsam mit 76 Gästen aus den Partnerstädten
Langeais, Schwarza und Kenilworths Partner Bourg-la-Reine im Rahmen der
Europawoche gefeiert. Beim festlichen Buffet am Samstag im Bürgersaal
freute sich Franz Fluch, Vorsitzender des Vereins Europart, besonders,
dass die Veranstaltung genau am Europatag stattfand.
Erster Stadtrat Peter Reus sagte, die Beziehungen zwischen den Vereinen
der Partnerstädte seien heute fester Bestandteil des Lebens in Eppstein
und Kenilworth. „Es wird unsere Aufgabe sein, junge Mitbürger für die
Partnerschaftsidee zu gewinnen.“ Für sie sei es längst selbstverständlich,
in Europa Grenzen ohne Passkontrolle und Zollschranken zu überschreiten.
„Das Verständnis untereinander bleibt dabei oft genau so auf der Strecke
wie das für Entscheidungen in Brüssel. Dabei geben sie Sicherheit und
Orientierung“, so Reus.
Um die Jugend bei der Gestaltung eines vereinten Europas „mit ins Boot zu
holen“ hatte Europart einen Jugendmalwettbewerb zum Thema „Europa in
Farbe“ ausgeschrieben. „Nach einer Vorauswahl in den einzelnen Ländern
werden heute zwölf von 35 Einsendungen prämiert“, sagte Dagmar
Hirtz-Weiser, Vorsitzende des Vereins Junge Künstler. Aus
unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Techniken haben die
Preisträger Motive aus europäischen Städten und Ländern auf dem Papier
vereint.
Den ersten Preis, je eine Reisetasche mit Mal-Utensilien, teilen sich
Egija Dice (12 Jahre) aus Aizkraukle und die Eppsteinerin Sarah Homer
(14), die aus England stammt. „Ich habe meine Lieblingsmotive mit meinen
Lieblingsfarben gemalt“, erklärte sie knapp. Künstlerisch anspruchsvoll
hatte sie das Brandenburger Tor, den Eiffelturm, das Kolosseum, Big Ben
und den Parthenon der Athener Akropolis miteinander verwoben. Egija Dice
wählte die Perspektive der Begegnung durch zwei Gesichter im Profil, die
auf ihren Häuptern wie Blütenkränze die Sehenswürdigkeiten und damit die
Geschichte mit sich tragen.
Unter den weiteren acht Preisträgern sind ebenfalls Eppsteiner. So haben
sich auch Hanna Ossenbrink (12) und Sophia Falk (13) für die Darstellung
von Sehenswürdigkeiten entschieden. Zoe Mahlau (13) entlehnte ihr Motiv
der Mythologie und malte einen Stier, in dessen Gestalt Zeus seine
Geliebte Europa entführte. Ein im europäischen Sternenmeer schwebender
Mensch trägt bei Monika Weiser (15) die Flaggen der europäischen Nationen
auf seinem Körper, weil jeder ein Stück des anderen mit sich trage.
Auch zwei Sonderpreise vergab die Jury, da die Künstler zu jung für die
Teilnahme am regulären Wettbewerb sind: Die Bilder von Louise Borne (4)
aus Langeais beeindrucken durch ihren Farbenreichtum. Nicole Wagner (6)
aus Eppstein erklärte dem Publikum im Bürgersaal selbst, was sie mit
Bleistift gezeichnet hatte: „Vor dem Brandenburger Tor steht ein Mädchen
mit Luftballons. Eine andere möchte einen davon haben.“ Beim Himmel über
Berlin hatte ihr Lehrerin Stella Costa ein wenig geholfen: Auf eine blau
gefärbte Seite der Eppsteiner Zeitung tupften sie die Wolken mit weißen
und blauen Farbkleksen.
Etwas verspätet begann die für 15 Uhr angekündigte Podiumsdiskussion
„Europa vor der Wahl“ mit den hessischen Mitgliedern des Europaparlaments
Thomas Mann (CDU), Dr. Wolf Klinz (FDP) und der SPD-Kandidatin Ulrike
Foraci. Am 7. Juni ist Europawahl. Schätzungen meinen, dass nur ein
Drittel der Wahlberechtigten zur Wahlurne gehen. In Eppstein könnte die
Wahlbeteiligung etwas höher ausfallen, weil gleichzeitig die
Bürgermeisterwahl stattfindet. Moderator Alois Theisen, Chefredakteur des
hr-Fernsehens, befragte in Anbetracht des geringen Interesses an Europa
die Kandidaten nach ihrer Motivation.
Ulrike Foraci (SPD) erklärte: „Ich kandidiere, weil das Europäische das
meist unterschätzte Parlament ist. 70 bis 80 Prozent der deutschen Gesetze
werden auf Grund von Vorgaben von Brüssel überhaupt erst umgesetzt. Diesen
Prozess möchte ich aktiv mitgestalten.“
Um Freiheit, Frieden und Wohlergehen der Bürger Europas zu sichern,
engagiert sich Wolf Klinz (FDP). Das Zusammenleben verschiedener Nationen
müsse gepflegt werden. „Europa geht alle an, als Chance wie als
Verpflichtung.“
Thomas Mann machte in der Diskussion seinem Ärger über die
Berichterstattung Luft: „Es ist einfach wahrheitswidrig, dass Europa weit
weg ist. Den Journalisten sind die Verhandlungen des Parlaments schlicht
zu friedlich.“ Ohne politischen Klamauk wollten die Medien nicht
berichten. cwe |