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Seit über acht Jahren gehören Sheila Skinner und ihr Mann David nun
schon der „Kenilworth Twinning Association“ an. Und das aus gutem Grund:
Die in Coventry lebenden Skinners sind echte Kosmopoliten, die nicht nur
fließend Deutsch, sondern auch Französisch und Spanisch sprechen. „Wir
sind sehr am Gedanken des gemeinsamen Europas interessiert“, erklärt
Sheila Skinner, die zum Vorstand der „Kenilworth Twinning Association“
gehört. In Eppstein habe man in den vergangenen Jahren echte Freunde
gefunden, schildert die Engländerin, die eng mit der Familie Fluch
befreundet ist. „Städtepartnerschaften geben den Menschen die Gelegenheit,
andere Länder und deren Sitten und Gebräuche kennen zu lernen“, erklärt
Sheila Skinner und deutet begeistert auf die Männer der Eppsteiner
Stadtwache, die in ihren mittelalterlichen Kostümen auf der Bühne des
Burghofes stehen.
Bei strahlendem Sonnenschein fand am Sonntagnachmittag die alljährliche
Europa-Party auf der Burg statt, die in diesem Jahr ganz im Zeichen des
15. Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Kenilworth stand. Zu der
15-köpfigen Delegation aus dem englischen Kenilworth gehörte auch Malcolm
Trewick, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins.
Über 50 Gäste waren aus Eppsteins französischer Partnerstadt Langeais
angereist, darunter Patricia Sahuc, die Vorsitzende des
Partnerschaftsvereins. Auch die französische Partnergemeinde von
Kenilworth, Bourg-la-Reine, war mit einer kleinen Delegation bei der
Europa-Party vertreten.
Eröffnet wurde das multikulturelle Programm auf der Burg mit einem
Auftritt der Samba-Trommelgruppe der Musikschule Eppstein-Rossert.
Stadtrat Dr. Christian Weiser begrüßte stellvertretend für den Ersten
Stadtrat Peter Reus die über 250 Besucher im Burghof. Um die Ansprachen
auch für die ausländischen Besucher verständlich zu machen, übersetzten
Sheila Skinner und Arnold Wasserstraß die Reden simultan ins Englische und
Französische.
Nicola Beer (FDP), Staatssekretärin für Europa im Hessischen Ministerium
der Justiz, für Integration und Europa betonte in ihrer Ansprache, dass
ein solches Fest den Menschen die Gelegenheit gebe, Europa ganz bürgernah
zu erleben. „Wir einigen keine Staaten, wir bringen Menschen einander
näher“, zitierte Nicola Beer den französischen Staatsmann Jean Monnet. Das
vereinte Europa sei eine Chance, Menschen über Kultur- und Wertegrenzen
zueinander zu bringen. Ebenso wie Festredner Thomas Mann (CDU), betonte
Nicola Beer die Wichtigkeit der Europawahl am 7. Juni: „Brüssel ist nicht
weit weg.“ Die Europawoche in Eppstein sei mit ihrem informativen und
vielfältigen Programm eine gute Chance für die Bürger gewesen, sich über
die Europapolitik zu informieren und die Parlamentarier aus Brüssel
hautnah zu erleben.
„Die Eppsteiner haben das Problem der Europawahl ganz schlau gelöst“,
witzelte Thomas Mann, Mitglied des europäischen Parlaments, in seiner
Ansprache, „indem sie die Wahl mit der Bürgermeisterwahl zusammen gelegt
haben.“ Europa habe in den vergangenen Jahren der Versuchung widerstanden
nationale Wege zu gehen: „Es ist uns gelungen, einen gemeinsamen Weg zu
finden“, betonte Thomas Mann, „in einer europäischen Union, die die
Belange aller ihrer Mitgliedstaaten ernst nimmt.“
Freundschaften, die durch Städtepartnerschaften und Austauschprogramme an
Schulen entstünden, seien die Basis eines starken Europas, sagte der
Abgeordnete des europäischen Parlaments, der für seine Ansprache viel
Applaus erntete.
Der Posaunenchor der evangelischen Talkirchengemeinde zollte den Gästen
aus England und Frankreich mit deren jeweiligen Landeshymnen Respekt.
Anschließend führten über 60 Schüler der Musikschule Eppstein-Rossert
folkloristische Tänze aus ganz Europa auf: Die Kinder im Alter zwischen
fünf und acht Jahren präsentierten unter anderem eine schwedische Polka
und einen mittelalterlichen Rundtanz, der sowohl in England, als auch in
Deutschland und Frankreich getanzt wurde. In ihren gewohnt farbenfrohen
Kostümen boten die kleinen Tänzer einen schönen Anblick.
Neben einer großen Jubiläumstorte mit Wappen und Widmung, die Isabell
Fritzsch extra fürs Partnerschaftsjubiläum mit Kenilworth gebacken hatte,
wurden für das leibliche Wohl der Besucher auch Rotwein und Ziegenkäse aus
Langeais angeboten. Die Damen von „Europart“ boten am Kuchenbüffet süße
Leckereien an, während die Stadtwache Getränke ausschenkte. Wer das
Jubiläum lieber mit einem prickelnden Glas Sekt begießen wollte, wurde an
der Sektbar des Burgvereins versorgt. Auch der Gesangverein „Liederkranz“
Bremthal beteiligte sich mit mehreren europäischen Liedern an der
Europa-Party.
Trotz der guten Stimmung auf der Burg zog Christine Baum für die
Europa-Woche eher eine ernüchternde Bilanz. „Leider wurden die
Veranstaltungen von den Bürgern nur schwach angenommen“, bedauert sie.
Dabei habe vor allem die Podiumsdiskussion „Europa vor der Wahl“ am
Samstag eine Möglichkeit geboten, sich genauer über die Europawahl zu
informieren. kmk |