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An Abschied von der
Freiherr-vom-Stein-Schule mag Reinhard Martin noch nicht denken, obwohl er
und sein Kollege Udo von Wangelin am Dienstag ihren letzten Tag im
Schuldienst hatten. Beide kamen 1977 an die Schule und gehen jetzt in
Altersteilzeit. Doch Martins Büro
sieht noch so aus, als käme er nach den Ferien wieder: An den Wänden hängt
noch der Stundenplan seiner ersten Klasse, die er 1979 als Klassenlehrer
übernahm, daneben, vergilbt, das Plakat für den ersten Kleinkunstabend mit
der Gruppe „Gänseblümchen“ am 11. November 1983 und das des 100. Abends
mit „Diven-Alarm“ im März 2007. Die Kleinkunstreihe wurde ins Leben
gerufen, um den traumatisierten Schülern und Lehrern nach dem Attentat im
Juni 83 neuen Lebensmut zu geben und ist inzwischen in Eppstein eine
Institution.
Allerdings bleibt Martin der Schule erhalten: Er organisiert wie bisher
die Kleinkunstabende und bietet nach den Sommerferien eine Nachmittags AG
an. Dann ist die Freiherr-vom-Stein-Schule offiziell Ganztagsschule – ein
Ziel, auf das er schon seit 1983 hingearbeitet hat. Damals wurde er
pädagogischer Leiter, obwohl ihm das Unterrichten, wie er sagt, immer
wichtiger gewesen sei als das Organisieren. Schon während seines Studiums
der Sozialgeografie in Gießen arbeitete er für einen Schulbuchverlag.
Inzwischen hat er 15 Schulbücher und Atlanten für Westermann und Cornelsen
verfasst. „Eppstein spielt darin immer eine Rolle“, betont der 62-Jährige,
der, obwohl er in Wiesbaden lebt, in der Burgstadt verwurzelt ist: „Die
Eppsteiner Zeitung habe ich immer schon am Mittwochnachmittag geholt und
den Kollegen die wichtigen Themen gleich morgens an die Pinwand geheftet.“
Die wichtigen Themen – das sind für ihn die kommunalpolitischen
Entscheidungen: „Wir haben im Unterricht über das Baugebiet Bienroth
diskutiert, die Hauptstraße kartiert und uns den Tunnelbau angeschaut.“
Seine Fächer, Politik und Wirtschaft sowie Geografie, habe er nie nur nach
Büchern gelehrt: „Der Ort gehört für mich immer dazu“, sagt er.
Er organisierte Europatage mit dem
Verein Europart und besuchte mit seinen Klassen die Sitzungen der
Stadtverordnetenversammlung und des Landtags. Diese individuellen
Unterrichtsmethoden lobte auch sein langjähriger Kollege Bruno Lienemann:
„Er hat die Schüler zu politischem Denken angeregt und ihnen gezeigt, wie
sie selbst aktiv werden können.“
Den Schüleraustausch mit der
Partnerschule in Izmir in der Türkei weiß Martin inzwischen beim Kollegen
André Roselt in guten Händen. Seine Liebe zur Geografie will er in
seiner Arbeitsgruppe „In 40,5 Schulwochen um die Welt“ selbst weitergeben.
„Wir nehmen uns die weißen Flecken auf der Landkarte und exotische Länder
vor“, sagt Martin, der eigentlich im Ruhestand viel reisen wollte. Doch
das sei ihm gesundheitlich nicht mehr möglich. bpa
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