Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung , die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe: 25/2011
Datum: 22.06.2011

 

Sein Unterricht fand nicht nur im Klassenzimmer statt

An Abschied von der Freiherr-vom-Stein-Schule mag Reinhard Martin noch nicht denken, obwohl er und sein Kollege Udo von Wangelin am Dienstag ihren letzten Tag im Schuldienst hatten. Beide kamen 1977 an die Schule und gehen jetzt in Altersteilzeit.

Doch Martins Büro sieht noch so aus, als käme er nach den Ferien wieder: An den Wänden hängt noch der Stundenplan seiner ersten Klasse, die er 1979 als Klassenlehrer übernahm, daneben, vergilbt, das Plakat für den ersten Kleinkunstabend mit der Gruppe „Gänseblümchen“ am 11. November 1983 und das des 100. Abends mit „Diven-Alarm“ im März 2007. Die Kleinkunstreihe wurde ins Leben gerufen, um den traumatisierten Schülern und Lehrern nach dem Attentat im Juni 83 neuen Lebensmut zu geben und ist inzwischen in Eppstein eine Institution.
Allerdings bleibt Martin der Schule erhalten: Er organisiert wie bisher die Kleinkunstabende und bietet nach den Sommerferien eine Nachmittags AG an. Dann ist die Freiherr-vom-Stein-Schule offiziell Ganztagsschule – ein Ziel, auf das er schon seit 1983 hingearbeitet hat. Damals wurde er pädagogischer Leiter, obwohl ihm das Unterrichten, wie er sagt, immer wichtiger gewesen sei als das Organisieren. Schon während seines Studiums der Sozialgeografie in Gießen arbeitete er für einen Schulbuchverlag. Inzwischen hat er 15 Schulbücher und Atlanten für Westermann und Cornelsen verfasst. „Eppstein spielt darin immer eine Rolle“, betont der 62-Jährige, der, obwohl er in Wiesbaden lebt, in der Burgstadt verwurzelt ist: „Die Eppsteiner Zeitung habe ich immer schon am Mittwochnachmittag geholt und den Kollegen die wichtigen Themen gleich morgens an die Pinwand geheftet.“ Die wichtigen Themen – das sind für ihn die kommunalpolitischen Entscheidungen: „Wir haben im Unterricht über das Baugebiet Bienroth diskutiert, die Hauptstraße kartiert und uns den Tunnelbau angeschaut.“
Seine Fächer, Politik und Wirtschaft sowie Geografie, habe er nie nur nach Büchern gelehrt: „Der Ort gehört für mich immer dazu“, sagt er. Er organisierte Europatage mit dem Verein Europart und besuchte mit seinen Klassen die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung und des Landtags. Diese individuellen Unterrichtsmethoden lobte auch sein langjähriger Kollege Bruno Lienemann: „Er hat die Schüler zu politischem Denken angeregt und ihnen gezeigt, wie sie selbst aktiv werden können.“
Den Schüleraustausch mit der Partnerschule in Izmir in der Türkei weiß Martin inzwischen beim Kollegen André Roselt in guten Händen. Seine Liebe zur Geografie will er in seiner Arbeitsgruppe „In 40,5 Schulwochen um die Welt“ selbst weitergeben. „Wir nehmen uns die weißen Flecken auf der Landkarte und exotische Länder vor“, sagt Martin, der eigentlich im Ruhestand viel reisen wollte. Doch das sei ihm gesundheitlich nicht mehr möglich. bpa
 


Zum Abschied gab’s ein Ständchen für Reinhard Martin.

 

Aktualisierung: 27.10.2011
© Europart Eppstein e. v.

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