Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung , die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe: 7/2008
Datum: 14.2.2008

 

Große Ehre für Gisela Rasper

 

„Dass es eine Frau wie mich trifft, eine Hausfrau ohne große Ämter, die eher im Verborgenen wirkt, freut mich besonders“, sagte Gisela Rasper, als ihr Landrat Berthold Gall am Montag im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichte. Die Nachricht kam völlig überraschend. Sie habe vor drei Jahren ihre Ehrenämter auflisten müssen, weil sie für den Ehrenbrief des Landes vorgeschlagen werden sollte.

Danach habe sie nichts mehr davon gehört, erinnerte sich Rasper schmunzelnd. Umso mehr staunte sie, dass ihre Arbeit nun sogar bundesweit gewürdigt wird.
Der Landrat lobte Gisela Raspers Engagement bei den deutsch-französischen Städtepartnerschaften, die in den 80er Jahren blühten. Als „Madame Jumelage“, wie sie von den französischen Städtepartnern in Langeais liebevoll genannt wird, ging sie auch in die Annalen des Kreises ein. Ausschlaggebend für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist auch ihr überregionales Engagement für die Landsmannschaft der Russlanddeutschen. Seit 1993 ist sie Vorsitzende der Helenendorfer Gruppe und betreut rund 250 russlanddeutsche Familien, die wie ihr Vater aus Helenendorf im Kaukasus stammen. Das nächste Jahrestreffen ist Ende April in Mainz.
Außerdem gibt sie Deutschkurse für Russlanddeutsche und hält Vorträge über die Kultur der deutschen Landsmannschaften in Russland. Ihr großes Ziel: „Vorurteile abbauen und die Russlanddeutschen integrieren“, sagt Rasper und hält deshalb immer wieder Vorträge, um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.
In der Eppsteiner Zeitung sorgt sie seit ihrem ersten öffentlichen Auftritt vor 40 Jahren als „Gräfin Loretta“ in Ludwig Löbers Stück „Die Stadterhebung“ immer wieder für Schlagzeilen.
Als Gisela Rasper 1967 mit ihrer Familie nach Eppstein zog, war Eppstein gerade im Jubiläumsfieber und der Heimatdichter und damalige Verleger der Eppsteiner Zeitung entdeckte in der attraktiven Neubürgerin die ideale Besetzung für die Rolle der Burgherrin in dem Stück, das er für die 650-Jahrfeier geschrieben hatte. Es wurde beim Stadtjubiläum 1968 uraufgeführt. Mitten drin Gisela Rasper als „Loretta“, die gemeinsam mit ihrem Gatten „Gottfried von Eppstein“ hoch zu Ross den historischen Umzug durch die Altstadt anführte.
Seitdem gehört sie dazu.

Bundesverdienstkreuz für eine überzeugte Europäerin

1972 trat Gisela Rasper der Freien Wählergemeinschaft (FWG) bei, war elf Jahre lang im Magistrat, war Mitgründerin des Hausfrauenverbandes Eppstein, den sie seit sechs Jahren leitet, Mitgründerin des Partnerschaftsvereins „Europart“ und ist in zahlreichen Vereinen in Eppstein aktiv.
Noch heute ist sie ihrem 1987 viel zu früh verstorbenen Mann Joachim dankbar, dass „er es mir ermöglichte, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu erziehen. Sonst hätte ich mich nie so stark engagieren können“, sagt sie offen und zeigt Verständnis dafür, dass viele Menschen erst im Rentenalter Ehrenämter übernehmen können.
Sie lernte ihren Mann während des Studiums in Frankfurt kennen. Geheiratet wurde 1960. Sohn Martin kam zur Welt, als Gisela Rasper mitten im Staatsexamen steckte. Natürlich rasselte sie durch. „Heute bin ich froh. Als berufstätige Frau hätte ich nie so viele Kinder bekommen“, freut sie sich im Kreis der Familie: Vier Kinder, Schwiegerkinder und sechs Enkel kamen selbstverständlich zur Feierstunde im Rathaus in Vockenhausen. Denn bei allen Ehrenämtern ist die Familie Gisela Raspers ganzer Stolz und Lebensmittelpunkt.
Statt Lehrerin für Deutsch und Französisch zu werden, machte Gisela Rasper eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin und engagierte sich als Sprachlehrerin und als Kursleiterin bei Volkshochschule und Kulturkreis.
Schon beim Abitur, das, so Rasper, „nicht sehr berauschend war“, habe ihre Lehrerin ihr vorausgesagt: „Deine sozialen und organisatorischen Fähigkeiten lassen sich kaum in Schulnoten erfassen, sind aber für die Gesellschaft wichtig“, erinnerte sie sich an ihrem Ehrentag.
„Die Eppsteiner machten es mir leicht, mich zu engagieren“, bedankte sich die Geehrte bei ihren Mitbürgern. „Ich wuchs als Flüchtlingskind auf; da war es nicht selbstverständlich, dass man mit offenen Armen empfangen wurde“, erinnert sich Gisela Rasper an ihre Kindheit nach dem Krieg.
1941 musste sie mit ihren Eltern aus Landsberg fliehen. Der Vater kam für zwölf Jahre in russische Gefangenschaft. Ihre Odyssee über Berlin, den Wartegau bis nach Esslingen schildert sie in der Dokumentation „Mein Kriegsende“, das vier Bremthaler Jugendliche filmten. Auch darüber berichtete die EZ. Als überzeugte Europäerin ging sie schon als 20-jährige Studentin für ein Jahr nach Frankreich und pflegt ihre ganz persönliche „deutsch-französische Freundschaft“ schon seit über 50 Jahren.
Bei einer Aufstellung ihrer vielen Aktivitäten kam sie selbst auf insgesamt 111 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit. „Wenn man alle aufzählen wollte, müsste man ein Buch aufschlagen“, flachste Berthold Gall in seiner Laudatio, hob dabei aber hervor, dass er Raspers Erfolge eng verknüpft sieht mit ihrer Ausstrahlung und ihrer unermüdlichen Energie: Ob im Kochclub oder beim Schüleraustausch, als Verfechterin des Haushaltsführerscheins, als Vermittlerin der „Fünf Tibeter“, als Dolmetscherin für befreundete Vereine in Langeais oder wenn sie dafür eintritt, dass die Deutschen den Krieg nicht aus ihrer Erinnerung streichen sollten – immer ist Gisela Rasper mit gleichbleibender Begeisterung und Überzeugungskraft beim Thema.
Im Mai steht die nächste Reise an. Dann fährt sie zum Europatag nach Langeais, der zum ersten Mal in Eppsteins Partnerstadt gefeiert wird. „Wer weiß, vielleicht ist der Europatag die nächste Gelegenheit, um meine neue Auszeichnung zu tragen“, freut sich Rasper. Aber vorher müsse sie sich noch genau mit der Trageordnung vertraut machen, fügt sie verschmitzt hinzu. Denn die regelt genau, zu welchen Gelegenheiten das Kreuz und wann ersatzweise die Schleife getragen wird. bpa


Landrat Berthold Gall überreichte Gisela Rasper das Bundesverdienstkreuz

 

Aktualisierung: 10.02.2010
© Europart Eppstein e. v.

Home