Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung , die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe: 31/2008
Datum:
31.7.2008

 

Eppsteiner von Lettland begeistert

47 Bürger aus Eppstein und Umgebung reisten Mitte Juli zur Feier der zehnjährigen Städtepartnerschaft nach Aizkraukle und besuchten dabei Riga und das große lettische Tanz- und Liedfest. Es war die fünfte von Europart organisierte Bürgerreise ins Baltikum.

Am Ankunftstag, einem Donnerstag, besichtigen die Eppsteiner nachmittags Rigas berühmte Jugendstilgebäude. Mit über 800 renovierten Bauten ist die lettische Hauptstadt die Weltmetropole des Jugendstils. Sie gehört zum Weltkulturerbe. Der Abend gehörte dem großen Tanz- und Folklorefestival, bei dem über 14000 Tänzer im Daugava-Stadion bis nach 2 Uhr am Morgen auftraten. In wundervollen Folklorekostümen rissen sie die Besucher zu immer neuen Begeisterungsstürmen hin.
Bei einem Empfang im neuen Rathaus sahen die Eppsteiner am folgenden Tag die Gemäldegalerie der Bürgermeister Rigas im Sitzungssaal des Stadtrates, die von Wilhelm Ludwig Kerkovius, einem Großonkel von Sylvia Fluch-Kerkovius von Europart, angeführt wird. Auf ihr Engagement hin entstand die Partnerschaft zwischen Eppstein und Aizkraukle.
Bei der anschließenden Besichtigung der Altstadt vermittelte Stadtführerin Mudite lebendige Einblicke in die Geschichte der alten Hansestadt, gewürzt mit vielen Anekdoten. Wer sich nicht von den Treppen abschrecken ließ, genoss anschließend den Rundblick vom grazilen Turm der Petri-Kirche aus über das 700000 Einwohner zählende Riga. Attraktiv war auch ein Besuch in den fünf Zeppelinhallen des Zentralmarktes, wo frische Heidelbeeren, mit Speck gefüllte Piroggen, Schmandbonbons oder Salzgurken zum Probieren animierten. Im Museum gab es viel von der leidvollen Geschichte Lettlands in den Jahren der Besetzung zu erfahren.
An den Rigaer Strand nach Jurmala ging es am Samstag. Ein erfrischendes Bad in der Ostsee lockte und ein Spaziergang, vorbei an den schönen Jugendstilholzbauten der Stadt. „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ wurde eingeübt, weil die Eppsteiner ihre Gäste aus der Partnerstadt mit einem Chor erfreuen wollten.
Vor der Fahrt nach Aizkraukle am Sonntag kehrten die Eppsteiner aber erst einmal zum Einkaufsbummel nach Riga zurück und sahen am Abend das große Abschlusskonzert als Höhepunkt des Lied- und Tanzfestivals. „Im Liede liegt die Kraft!“, hieß es und die Eppsteiner erfuhren unter 30 000 Besuchern, was die Letten damit meinen.
In Salaspils, der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers, machte die Reisegruppe am nächsten Tag Zwischenstation. „Aiz siem vartiem vaid Zeme - Hinter diesem Tor stöhnt die Erde“ steht auf dem mächtigen Torbalken. Zu den hier Ermordeten zählten fast alle jüdischen Verwandten von Sylvia Fluch. Die Juweliersfamilie Rosenthal fiel 1941 den Nazis zum Opfer. Ihre Tante Inge Saulite, geborene Rosenthal, überlebte den Holocaust und Gulag Workuta und war 1992 nach der Familienzusammenführung der eigentliche Anlass zur Aufnahme von humanitären und freundschaftlichen Beziehungen zu Aizkraukle. Inge Saulite starb vor zwei Jahren.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Aina Podvinska empfing die Besucher aus der Partnerstadt mit Musik im Rathaus. Nach einer kurzen Stadtführung per Bus und einem Mittagessen traf die Gruppe Bürgermeister Vilnis Plume vor dem Kulturhaus, wo sieben Bäume (Tuias) als Zeichen der Verbundenheit gepflanzt wurden. Anschließend traten zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft Volkstanzgruppen, ein gemischter österreichischer Chor, ein Männerchor aus Schleswig-Holstein und Aizkraukler Sänger und Sängerinnen auf. Auch die singende Eppsteiner Reisegruppe trug drei Volkslieder vor und erntete viel Beifall.
Nach Unterzeichnung einer Urkunde zum Zehnjährigen, dem Austausch von Gastgeschenken und einem Imbiss kehrte die Delegation aus dem Taunus nach Riga zurück, wo bei frisch gezapftem Alus die Lettlandreise zu Ende ging. Alle waren sich einig: Diese Lettlandreise ins singende Riga und zu den herzlichen Aizkrauklern war ein unvergessliches Erlebnis. EZ

 



Der Eppsteiner Reise-Chor sang unter Leitung von Gesche Wasserstraß deutsche Volkslieder


Eine junge Lettin mit Blütenschmuck


Sylvia Fluch und Bürgermeister Vilnis Plume

 

 

Aktualisierung: 10.02.2010
© Europart Eppstein e. v.

Home