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47 Bürger aus Eppstein und Umgebung reisten Mitte Juli zur Feier der
zehnjährigen Städtepartnerschaft nach Aizkraukle und besuchten dabei Riga
und das große lettische Tanz- und Liedfest. Es war die fünfte von Europart
organisierte Bürgerreise ins Baltikum.
Am Ankunftstag, einem Donnerstag, besichtigen die Eppsteiner
nachmittags Rigas berühmte Jugendstilgebäude. Mit über 800 renovierten
Bauten ist die lettische Hauptstadt die Weltmetropole des Jugendstils. Sie
gehört zum Weltkulturerbe. Der Abend gehörte dem großen Tanz- und
Folklorefestival, bei dem über 14000 Tänzer im Daugava-Stadion bis nach 2
Uhr am Morgen auftraten. In wundervollen Folklorekostümen rissen sie die
Besucher zu immer neuen Begeisterungsstürmen hin.
Bei einem Empfang im neuen Rathaus sahen die Eppsteiner am folgenden Tag
die Gemäldegalerie der Bürgermeister Rigas im Sitzungssaal des Stadtrates,
die von Wilhelm Ludwig Kerkovius, einem Großonkel von Sylvia
Fluch-Kerkovius von Europart, angeführt wird. Auf ihr Engagement hin
entstand die Partnerschaft zwischen Eppstein und Aizkraukle.
Bei der anschließenden Besichtigung der Altstadt vermittelte Stadtführerin
Mudite lebendige Einblicke in die Geschichte der alten Hansestadt, gewürzt
mit vielen Anekdoten. Wer sich nicht von den Treppen abschrecken ließ,
genoss anschließend den Rundblick vom grazilen Turm der Petri-Kirche aus
über das 700000 Einwohner zählende Riga. Attraktiv war auch ein Besuch in
den fünf Zeppelinhallen des Zentralmarktes, wo frische Heidelbeeren, mit
Speck gefüllte Piroggen, Schmandbonbons oder Salzgurken zum Probieren
animierten. Im Museum gab es viel von der leidvollen Geschichte Lettlands
in den Jahren der Besetzung zu erfahren.
An den Rigaer Strand nach Jurmala ging es am Samstag. Ein erfrischendes
Bad in der Ostsee lockte und ein Spaziergang, vorbei an den schönen
Jugendstilholzbauten der Stadt. „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ wurde
eingeübt, weil die Eppsteiner ihre Gäste aus der Partnerstadt mit einem
Chor erfreuen wollten.
Vor der Fahrt nach Aizkraukle am Sonntag kehrten die Eppsteiner aber erst
einmal zum Einkaufsbummel nach Riga zurück und sahen am Abend das große
Abschlusskonzert als Höhepunkt des Lied- und Tanzfestivals. „Im Liede
liegt die Kraft!“, hieß es und die Eppsteiner erfuhren unter 30 000
Besuchern, was die Letten damit meinen.
In Salaspils, der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers, machte
die Reisegruppe am nächsten Tag Zwischenstation. „Aiz siem vartiem vaid
Zeme - Hinter diesem Tor stöhnt die Erde“ steht auf dem mächtigen
Torbalken. Zu den hier Ermordeten zählten fast alle jüdischen Verwandten
von Sylvia Fluch. Die Juweliersfamilie Rosenthal fiel 1941 den Nazis zum
Opfer. Ihre Tante Inge Saulite, geborene Rosenthal, überlebte den
Holocaust und Gulag Workuta und war 1992 nach der Familienzusammenführung
der eigentliche Anlass zur Aufnahme von humanitären und freundschaftlichen
Beziehungen zu Aizkraukle. Inge Saulite starb vor zwei Jahren.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Aina Podvinska empfing die Besucher
aus der Partnerstadt mit Musik im Rathaus. Nach einer kurzen Stadtführung
per Bus und einem Mittagessen traf die Gruppe Bürgermeister Vilnis Plume
vor dem Kulturhaus, wo sieben Bäume (Tuias) als Zeichen der Verbundenheit
gepflanzt wurden. Anschließend traten zur Feier des zehnjährigen Bestehens
der Partnerschaft Volkstanzgruppen, ein gemischter österreichischer Chor,
ein Männerchor aus Schleswig-Holstein und Aizkraukler Sänger und
Sängerinnen auf. Auch die singende Eppsteiner Reisegruppe trug drei
Volkslieder vor und erntete viel Beifall.
Nach Unterzeichnung einer Urkunde zum Zehnjährigen, dem Austausch von
Gastgeschenken und einem Imbiss kehrte die Delegation aus dem Taunus nach
Riga zurück, wo bei frisch gezapftem Alus die Lettlandreise zu Ende ging.
Alle waren sich einig: Diese Lettlandreise ins singende Riga und zu den
herzlichen Aizkrauklern war ein unvergessliches Erlebnis. EZ
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