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In über 25 Jahren hat Eppstein ein
intensives Netzwerk europäischer Beziehungen geknüpft: Partnerschaften zu
Langeais in Frankreich, Kenilworth in England und Aizkraukle in Lettland
mit Leben erfüllt, freundschaftliche Kontakte mit dem thüringischen
Schwarza und den Partnerstädten seiner Partnerstädte in Ungarn und
Portugal gepflegt. 2002 gab’s dafür schon die Ehrenfahne des Europarates,
am Samstag nun die zweithöchste europäische Ehrung, die Europaplakette des
Europarates.
Zur Feier des Tages waren überall im Stadtgebiet die Flaggen der
Partnerländer und die europäische Fahne gehisst. Neben der Europa-Plakette
feierte Eppstein außerdem die zehnjährige Partnerschaft mit Aizkraukle.
Über 200 Besucher, darunter rund 60 Gäste aus den Partnerstädten, ließen
sich die Zeremonie auf der festlich geschmückten Burg nicht entgehen.
Edeltraut Gatterer, Ehrenmitglied der parlamentarischen Versammlung,
überreichte Bürgermeister Ralf Wolter die rechteckige Messingplakette in
einer dunkelblauen Schatulle – und wies schmunzelnd auf eine besondere
Symbolik hin: „Die Gravur des europäischen Kontinents zeigt: Eppstein
liegt im Zentrum Europas!“
Nur acht Städte in den 47 Mitgliedsländern des Europarates erhielten in
diesem Jahr die Europa-Plakette, darunter auch Eppstein als erste Stadt in
Hessen. Die Plakette wird übrigens in den nächsten Wochen im Bürgerbüro am
Stadtbahnhof ausgestellt.
„Das ist wirklich eine hohe Auszeichnung“, betonte die Parlamentarierin:
„Sie sind Vorbild und nehmen eine Vorreiterrolle in Europa ein, weil ein
friedliches Zusammenleben keine Frage der Politik, sondern der Menschen
ist“. Die ausgeprägte ehrenamtliche Struktur der Stadt und der Austausch
zwischen den Städtepartnern auf allen Ebenen halte die Partnerschaften
lebendig, ist Gatterer überzeugt.
Auch die Initiative für die Bewerbung entstand auf ehrenamtlicher Basis:
Drei dicke Ordner stellte Europart-Chef Franz Fluch in monatelanger Arbeit
für die Bewerbung zusammen. Minutiös belegte er die kulturellen, sozialen,
wirtschaftlichen und politischen Verbindungen der Eppsteiner Vereine und
Organisationen in Europa. Ende 2006 bewarb sich die Stadt beim Europarat
in Straßburg – und war gleich im ersten Anlauf erfolgreich. Vor rund einem
Jahr erhielt der Magistrat die Nachricht, dass die Stadt ausgewählt worden
sei.
Eppstein und seine Partnerstädte feierten die Europa-Plakette
Ob beim Europafest auf der Burg, beim Freundschaftsabend im Bürgerhaus,
beim Ausflug in den Frankfurter Römer, an dem auch eine Klasse der
Freiherr-vom-Stein-Schule mit ihrem Lehrer Reinhard Martin teilnahm – die
Freunde aus den Partnerstädten, darunter auch Aizkraukles Städtepartner
aus der ungarischen Stadt Kiskunhalas, genossen unbeschwerte Stunden und
das Wiedersehen mit langjährigen und neuen Freunden.
Zahlreiche Vereine halfen der Stadt und dem Verein Europart beim
Ausrichten des Festaktes zur Verleihung der Europa-Plakette und bewiesen
damit die These des Europart-Vorsitzenden Franz Fluch: „Die
Städtepartnerschaften sind die größte Bürgerbewegung Europas“. In der
Ausstellung „Netzwerk der Freundschaft“ im Bürgerhaus hatte Europart die
schönsten Ansichten aus den Partnerstädten zusammengestellt und wollte
damit die Lust auf einen Gegenbesuch wecken.
Bürgermeister Ralf Wolter erinnerte in seiner Ansprache daran, wie viel
reicher das Leben durch den Kontakt mit anderen Kulturen werde. Bestes
Beispiel dafür lieferten die Aufführungen der beiden Musikschulen,
Eppstein-Rossert und Aizkraukle. Die jungen Letten entzückten ihre Zuhörer
mit dem melancholischen Charme der Lieder ihrer Heimat und dem fließenden
Spiel auf der Kokle, der litauischen Harfe. Die Eppsteiner Jungen und
Mädchen drehten sich in selbst genähten Kostümen auf der Bühne. Sie hatten
europäische Folklore und mittelalterliche Tänze einstudiert.
Bei der Europahymne stimmten alle Zuhörer mit ein und sangen den Text in
deutsch, französisch und englisch mit – Wer den Text nicht kannte, fand
ihn in der Festschrift, die Europart eigens für die Verleihung der
Europa-Plakette gestaltet hatte. Als Gastgeschenke für die Ehrengäste
verteilte Franz Fluch Kochbücher mit Rezepten aus allen Ländern der
Europäischen Union – natürlich in der jeweiligen Muttersprache. An der
Spezialitätentafel im Burghof kredenzte Europart eine kleine Auswahl
europäischer Köstlichkeiten.
Großen Anklang fand auch die Briefmarkenausstellung des Philatelisten und
begeisterten Europäers Fritz Bertram aus Hannover: Er zeigte in der
Kemenate seine Sammlung mit Sondermarken und Sonderstempeln des
Europarates. Von den bunten Exponaten und seinen detaillierten
Informationen über den jeweiligen Anlass in Straßburg waren Kinder wie
Erwachsene gleichermaßen begeistert.
Am Sonderpostamt der Deutschen Post holte er sich das nächste Exemplar für
seine Sammlung. Rita Dürschang vom DP-Team Hanau kam zeitweise kaum nach
mit dem Stempeln von Briefmarken und der Erinnerungskarte an den Ehrentag
der Stadt und erfüllte trotzdem möglichst jeden Sonderwunsch der
Briefmarkenfreunde. Etwa für Gerhard Jung aus Eppstein, der die
Sonderstempel möglichs akurat auf seinen Sondermarken wissen wollte. Der
Philatelist war einer der ehrenamtlichen Helfer in der
Briefmarkenausstellung. Beate Palmert-Adorf |

Hatten gut lachen: Die jungen Musikerinnen aus Aizkraukle, Sylvia Fluch,
Edeltraut Gatterer,
Franz Fluch und Ralf Wolter freuten sich über die Verleihung der
Europaplakette

Mit ihrem Saitenspiel entzückten die Kinder der rhythmischen Früherziehung
die Besucher des Europafests

Auch der Schulchor der Freiherr-vom-Stein-Schule war ganz auf Europa
eingestellt

Der Gesangverein Liederkranz hatte zur zehnjährigen Partnerschaft zwischen
Aizkraukle
und Eppstein das Lied „Put Vejini“ die heimliche Nationalhymne der Letten
einstudiert.

ie Schützen aus Bremthal und Niederjosbach sprangen spontan f
ür die kurzfristig verhinderten Schwarzaer Schützen ein

Auch die Funkamateure des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC)
haben die Stadt bei ihrer Bewerbung um die Europa-Plakette unterstützt. |