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Die Verleihung der Europaplakette, zehn Jahre Aizrkaukle und dann auch
noch die Bürgermedaille – „Von der Ehrung der Stadt haben wir wirklich
nichts geahnt“, freuten sich Sylvia und Franz Fluch über die gelungene
Überraschung, nachdem Bügermeister Ralf Wolter ihnen die höchste
Auszeichnung der Stadt auf der „europäisch“ geschmückten Bühne des
Burghofs überreichte.
Wirklich überraschend kam die Auszeichnung nur für die Geehrten, denn
schließlich sprechen genügend Gründe dafür, dass sie sie verdient haben:
„Sie praktizieren Bürgersinn und Solidarität“, lobte Wolter in seiner
Laudatio das gemeinsame Engagement des Ehepaares für die europäische Idee,
„Sie haben aber auch dazu beigetragen, ganz konkret die Lebenssituation
der Menschen in Aizkraukle zu verbessern“.
Gemeinsam bauten die Fluchs, die seit 1977 in Bremthal wohnen, 1992 die
Lettlandhilfe auf, deren wichtigste Aufgabe zunächst war, Einwohner und
Sozialeinrichtungen von Stadt und Kreis Aizkraukle mit konkreten
Hilfslieferungen zu unterstützen.
Dahinter steht die persönliche Lebensgeschichte von Sylvia Fluch: Sie
wurde 1938 in Riga geboren und verlor in den Wirren des Kriegs, nach
Bombadierung und Flucht, ihre Familie aus den Augen. Erst nach dem Fall
des eisernen Vorhangs 1989 hatten ihre Nachforschungen Erfolg: Über einen
Suchbrief fand sie 1992 ihre Tante Inge Saulite in der lettischen Stadt
Aizkraukle und mit Hilfe ihrer Nichte Daina Saulite schließlich sogar ihre
Mutter in New York.
Nach einem bewegenden Besuch im Frühjahr 1992 in Aizkraukle riefen die
Fluchs bereits im Juli 92 die „Lettlandhilfe“ als private
Hilfsorganisation ins Leben. In dem 2007 verstorbenen Professor Hartmut
Dittmer, ehemaliger Chefarzt am Klinikum Höchst, fanden sie einen
wichtigen Helfer. Gemeinsam lieferten sie Jahr für Jahr medizinische
Geräte, ausrangierte Möbel von Kliniken, Schulen und anderen öffentlichen
Einrichtungen und Firmen, aber auch Lebensmittel und Süßigkeiten für
Kindergärten und -Heime nach Aizkraukle. Die Eppsteiner Bevölkerung
spendete Kleidung, Spielsachen und Geld, vor allem für den Transport in
die über 2000 Kilometer entfernte lettische Stadt. Im Laufe von 15 Jahren
kamen so 43 Hilfstransporte, Sachspenden im Wert von 6,5 Millionen Euro
und Bargeld in Höhe von 350 000 Euro zusammen.
2007 wurde der letzte Hilfstransport auf die Reise geschickt, denn seit
2005 gehört Lettland als einer der drei aufstrebenden jungen baltischen
Staaten zur Europa-Union.
Ganz nebenbei arbeitet Sylvia Fluch seit 23 Jahren als ehrenamtliche
Helferin in der Stadtbücherei. Franz Fluch ist seit 1996 im Vorstand des
Partnerschaftsvereins Europart und bereitete die 1998 geschlossene
Städtepartnerschaft mit Aizkraukle vor. Seit 2001 ist er Vorsitzender des
Vereins. bpa |