Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung , die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe:21/2008
Datum: 21.5.2008

 

Bürgermedaille für zwei Europäer

Die Verleihung der Europaplakette, zehn Jahre Aizrkaukle und dann auch noch die Bürgermedaille – „Von der Ehrung der Stadt haben wir wirklich nichts geahnt“, freuten sich Sylvia und Franz Fluch über die gelungene Überraschung, nachdem Bügermeister Ralf Wolter ihnen die höchste Auszeichnung der Stadt auf der „europäisch“ geschmückten Bühne des Burghofs überreichte.

Wirklich überraschend kam die Auszeichnung nur für die Geehrten, denn schließlich sprechen genügend Gründe dafür, dass sie sie verdient haben: „Sie praktizieren Bürgersinn und Solidarität“, lobte Wolter in seiner Laudatio das gemeinsame Engagement des Ehepaares für die europäische Idee, „Sie haben aber auch dazu beigetragen, ganz konkret die Lebenssituation der Menschen in Aizkraukle zu verbessern“.
Gemeinsam bauten die Fluchs, die seit 1977 in Bremthal wohnen, 1992 die Lettlandhilfe auf, deren wichtigste Aufgabe zunächst war, Einwohner und Sozialeinrichtungen von Stadt und Kreis Aizkraukle mit konkreten Hilfslieferungen zu unterstützen.
Dahinter steht die persönliche Lebensgeschichte von Sylvia Fluch: Sie wurde 1938 in Riga geboren und verlor in den Wirren des Kriegs, nach Bombadierung und Flucht, ihre Familie aus den Augen. Erst nach dem Fall des eisernen Vorhangs 1989 hatten ihre Nachforschungen Erfolg: Über einen Suchbrief fand sie 1992 ihre Tante Inge Saulite in der lettischen Stadt Aizkraukle und mit Hilfe ihrer Nichte Daina Saulite schließlich sogar ihre Mutter in New York.
Nach einem bewegenden Besuch im Frühjahr 1992 in Aizkraukle riefen die Fluchs bereits im Juli 92 die „Lettlandhilfe“ als private Hilfsorganisation ins Leben. In dem 2007 verstorbenen Professor Hartmut Dittmer, ehemaliger Chefarzt am Klinikum Höchst, fanden sie einen wichtigen Helfer. Gemeinsam lieferten sie Jahr für Jahr medizinische Geräte, ausrangierte Möbel von Kliniken, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen und Firmen, aber auch Lebensmittel und Süßigkeiten für Kindergärten und -Heime nach Aizkraukle. Die Eppsteiner Bevölkerung spendete Kleidung, Spielsachen und Geld, vor allem für den Transport in die über 2000 Kilometer entfernte lettische Stadt. Im Laufe von 15 Jahren kamen so 43 Hilfstransporte, Sachspenden im Wert von 6,5 Millionen Euro und Bargeld in Höhe von 350 000 Euro zusammen.
2007 wurde der letzte Hilfstransport auf die Reise geschickt, denn seit 2005 gehört Lettland als einer der drei aufstrebenden jungen baltischen Staaten zur Europa-Union.
Ganz nebenbei arbeitet Sylvia Fluch seit 23 Jahren als ehrenamtliche Helferin in der Stadtbücherei. Franz Fluch ist seit 1996 im Vorstand des Partnerschaftsvereins Europart und bereitete die 1998 geschlossene Städtepartnerschaft mit Aizkraukle vor. Seit 2001 ist er Vorsitzender des Vereins. bpa


 

Aktualisierung: 10.02.2010
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