Nachstehende Pressemeldung erschien in der Eppsteiner-Zeitung , die wir dankenswerterweise auf unserer Internetdarstellung veröffentlichen dürfen.

Ausgabe: 05/2004
Datum: 28.01.2004

 
Vom Zeitalter der Dinosaurier bis zur europäischen Verfassung
Schulleiterin Christina Schreck (l.) begrüßte Schüler und Gäste zur Podiumsdiskussion in der Aula.Die Freiherr-vom-Stein-Schüler haben eine durch und durch europäische Woche hinter sich. In 22 Kursen lernten sie während der Projektwoche Sprache, Kultur und Landschaft ihrer europäischen Nachbarn kennen. Höhepunkt und Abschluss war am vergangenen Freitag die Podiumsdiskussion mit Europa-Politikern der verschiedenen Parteien über das Thema „Warum Europa und wohin führt uns Europa“ für die Schüler der 8. bis 10. Klassen. Die Tage davor hatten die Schüler genutzt, um sich auf das Thema vorzubereiten.
Zum Beispiel im Kurs „Europa, gestern, heute, morgen“, den die Mitglieder des Eppsteiner Partnerschaftsvereins „Europart“, Franz Fluch, Roland Berggötz, Waltram Ebmeyer und Arnold Wasserstraß gestaltet hatten.
So konnten die Schüler ihr Wissen beim Europa-Quiz per Internet-Chat mit Schülern der türkischen Partnerschule in Izmir testen. Europart hatte das Quiz zur Verfügung gestellt.
Nachdem die Tücken der Technik dank des Techniker-Teams des Kreishauses in Hofheim beseitigt waren, „beschnupperten“ sich die Schüler übers Internet. Natürlich wollten die Eppsteiner Jugendlichen vor allem wissen, ob ihr Chat-Partner zu den 28 Austauschschülern gehörte, die am Samstag, auf dem Frankfurter Flughafen zum zweiwöchigen Aufenthalt in Eppstein landeten.
Nachmittags hieß es dann kräftig zupacken. 24 Schüler und Schülerinnen aus unterschiedlichen Kursen hatten sich am Donnerstag für einen Arbeitsausflug zum Sheraton-Hotel am Flughafen gemeldet. Sie halfen der Lettlandhilfe dabei, ausrangierte Möbel des Hotels auszuräumen und auf Transporter zu verladen. Die Einrichtungsgegenstände sollen in ein Behindertenwohnheim in der Eppsteiner Partnerstadt Aizkraukle gebracht werden.
In den rund drei Stunden ihres Aufenthalts räumten die Jugendlichen nahezu eine ganze Etage mit 40 Zimmern leer. „Die jungen Leute haben unglaublich geschuftet“, lobte Franz Fluch von der Lettlandhilfe. Ihr Arbeitseifer wurde sogar von den Handwerkern honoriert, die im Hotel schon mit Renovierungsarbeiten beschäftigt waren: „Einige von ihnen halfen den Schülern nach Feierabend sogar noch beim Tragen“, freute sich die Schulleiterin.
Geschickte Hände mussten auch die Teilnehmer des Kurses „Schnitzen wie die Wickinger“ haben. Gemeinsam mit Holzschnitzer Klaus Zimmermann versuchten die Schüler mit einfachen Werkzeugen eigene Ideen umzusetzen und lernten nebenbei Wissenswertes über europäische Holzschnitzkunst in den verschiedenen Epochen. Noch weiter zurück in die Zeit, als Dinosaurier Europa bevölkerten, ging ein anderer Kurs für die Jahrgänge 5 und 6. Im Rahmen ihres Projekts besuchten die Schüler auch das Senckenberg-Museum.
Wie eng Limburg oder der Zisterzienserorden im Kloster Eberbach mit dem Europa-Gedanken verknüpft sind, lernten die Schüler bei ihren Ausflügen zu beiden Stätten. In der europäischen Modellstadt treffen sich zwei bedeutende mittelalterliche Handelsstraßen. Die Ideen des Zisterzienserordens, ihr Wissen und ihre Architektur prägten über Jahrhunderte hinweg die Mitte Europas.
Der Italienisch-Sprachkurs wurde ganz locker mit einem Besuch einer italienischen Eisdiele beendet. Die Schüler und Schülerinnen der beiden Kurse „Kunst in Europa im 19. und 20. Jahrhundert“ stellten ihre Gemälde und Plastiken bei einer Ausstellung Anfang dieser Woche in der Schule aus. Und natürlich durfte im EM-Jahr der Fußball nicht fehlen. Unter dem Titel „Fußball ist unser Leben“ beschäftigten sich die Kursteilnehmer mit den großen eurpäischen Fußballvereinen, mit den Städten, Stadien und dem Austragungsland Portugal.
Überblick und Zusammenfassung der einzelnen Projekte hatte sich die Gruppe „Schülerzeitung“ vorgenommen. Sie befragten Schüler und Lehrer zu den Themen ihrer Kurse und schilderten in ihrem „Europrojektor“ ihre Eindrücke von der Projektwoche.
Wie friedliches Zusammenleben im eigenen Leben funktionieren kann, lernten die Schüler in der Basisausbildung zu Schüler-Streit-Schlichtern. Sie sprachen über Gefühle, brachten Streithähne dazu, wieder aufeinander zuzugehen und diskutierten über „nichtverletzende Ärgermitteilungen“.
Rund ein Drittel der insgesamt 560 Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule diskutierten am Freitagvormittag in der Aula der Schule mit Politikern von SPD, Grünen, CDU und FDP über die Probleme der Europäischen Union. Özan Ceyhun, Mitglied des Europa-Parlaments (MdEP), Hubert Müller, von der Landtagsfraktion der Grünen, Michael Gahler (MdEP) und der FDP-Politiker Christopher Heegmann stellten ihre Positionen zur Diskussion und lobten einhellig das Engagement der Schüler: „Eure Schulpartnerschaft nach Izmir ist toll!“ sagte der Grüne Müller.
Zur Frage eines jungen türkischen Schülers, warum denn die Türkei solche Probleme habe EU-Beitrittsland zu werden, hatten die vier Politiker ähnliche Ansichten: Voraussetzung sei, dass die politischen, wirtschaftlichen und bürokratischen Strukturen in der Türkei demokratischer würden.
Die Schüler wollten wissen, wie denn ein europäischer Konsens erreicht werden könne zum Thema Sicherheit, Terrorismus oder gemeinsame Außenpolitik. Ein anderer fragte, ob Europa mit einer Stimme auftreten solle, um ein Gegengewicht zu den USA zu bilden, und ein dritter wollte wissen, wozu Europa eine gemeinsame Verfassung brauche.
Die Verfassung müsse beschlosen werden, damit das Europäische Parlament gestärkt werden könne, erklärte der gebürtige Brite Heegmann den Schülern. Bisher werde nach Länderinteressen entschieden und nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten auf Europa-Ebene.
Wie schwer es sei, gemeinsame Ziele zu formulieren oder gar zu erreichen veranschaulichte Diskussionsleiter Gert Hammer, ehemaliger Generalsekretär des deutsch-französischen Jugendwerks, mit einleuchtenden Zahlen: Bisher leben in der EU 370 Millionen Menschen mit elf Sprachen, nach der Osterweiterung werden es weit über 400 Millionen Menschen mit 19 verschiedenen Sprachen sein.
Auf die Frage, wie sich denn der Beitritt der osteuropäischen Länder auf die alten EU-Länder auswirke, lautete Gahlers Antwort: „Ganz klar, wir müssen teilen. Aber wenn zehn Länder und 75 Millionen Menschen aufgenommen werden, ist das finanziell auf jeden Fall zu schaffen.“ bpa


Schulleiterin Christina Schreck (l.) begrüßte Schüler und Gäste zur Podiumsdiskussion in der Aula.

Aktualisierung: 12.03.2007
© Europart Eppstein e. v.

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